Selbstbild vs. Fremdbild

Jeder kann in Wirklichkeit mehr schaffen, wenn er selber erstmal daran glaubt, dass er mehr schaffen kann.

“Man's greatest burden is unfulfilled potential.” - Dan Pena

Nach einem Vortrag, den ich in Detroit vor Geschäftsleuten hielt, sprach mich einer der Zuhörer an. Er stellte sich vor und sagte: »Ihr Vortrag hat mir wirklich sehr gefallen. Hätten Sie einige Minuten Zeit? Ich würde mich gern mit Ihnen über ein persönliches Erlebnis unterhalten.«
»Aber natürlich«, erwiderte ich.
»Ich habe etwas erlebt«, begann er, »das vollkommen mit dem übereinstimmt, was Sie heute Abend gesagt haben – dass man seinen Verstand für sich und nicht gegen sich arbeiten lassen soll. Ich habe nie jemandem verraten, wie ich aus der Welt der Mittelmäßigkeit herausgekommen bin, aber Ihnen würde ich es gern erzählen.«
»Und ich würde es gern hören«, sagte ich.
»Noch vor fünf Jahren plagte ich mich im Werkzeugbau ab. Ich verdiente nach normalen Maßstäben ganz ordentlich, aber meine Lebensumstände waren alles andere als ideal. Unser Haus war viel zu klein, und wir hatten kein Geld für viele Dinge, die wir uns wünschten. Meine Frau be schwerte sich zwar nicht, aber glücklich war sie auf keinen Fall. Ich wurde immer unzufriedener. Heute ist alles anders. Wir haben ein schönes neues Haus auf einem großen Grundstück und ein paar Hundert Kilometer im Norden von hier eine Hütte. Wir brauchen uns keine Sorgen mehr darüber zu machen, ob wir die Kinder auf ein gutes College schicken können, und meine Frau muss nicht mehr jedes Mal, wenn sie Geld für neue Kleider ausgibt, ein schlechtes Gewissen haben. Nächsten Sommer wird die ganze Familie nach Europa fliegen und dort einen Monat Urlaub machen. Wir leben jetzt wirklich.«
»Und wie haben Sie es so weit gebracht?«, fragte ich.
»Ich schaffte es«, antwortete er, »als ich mir – um einen Ihrer Sätze von heute Abend zu zitieren – ›die Kraft des Glaubens zunutze machte‹. Vor fünf Jahren erfuhr ich, dass bei einer Werkzeugbaufirma hier in Detroit eine Stelle frei war. Wir lebten damals in Cleveland. Ich bewarb mich in der Hoffnung, etwas mehr zu verdienen. Ich kam am frühen Sonntagabend hier an. Das Vorstellungsgespräch sollte natürlich erst am Montag stattfinden. Nach dem Abendessen wurde ich aus irgendeinem Grund richtig wütend auf mich selbst. ›Warum‹, so fragte ich mich, ›bin ich bloß so eine durchschnittliche Null? Warum versuche ich einen Job zu bekommen, der bloß einen winzigen Schritt vorwärts bedeutet? Ich weiß bis heute nicht, was mich dazu bewog, aber ich schrieb die Namen von fünf Männern auf, die ich gut kannte und die mich weit überflügelt hatten, was das Gehalt und die berufliche Verantwortung anging. Zwei waren ehemalige Nachbarn, die weggezogen
waren und Unterabteilungen übernommen hatten, zwei andere waren ehemalige Chefs von mir, und der fünfte war mein Schwager. Dann fragte ich mich, was meine fünf Freunde – von den besseren Jobs einmal abgesehen – auszeichnete. War es ihre Intelligenz, ihre Bildung oder vielleicht ihre Integrität? Nach sorgfältigem und ehrlichem Abwägen erkannte ich, dass es an diesen Dingen nicht liegen konnte. Schließlich kam ich zu einem anderen Erfolgsmerkmal: zu der Initiative. In diesem Punkt, das musste ich mir widerwillig eingestehen, blieb ich weit hinter meinen erfolgreichen Freunden zurück. Es war mittlerweile drei Uhr früh, aber ich war noch erstaunlich munter. Ich sah zum ersten Mal meine Schwäche. Ich entdeckte, dass ich mich immer zurückgehalten hatte. Ich stellte fest, dass es mir an Initiative mangelte, weil ich glaubte, nur sehr wenig bewerkstelli gen zu können.
In den restlichen Nachtstunden erkannte ich, dass ich meinen Verstand immer gegen mich hatte arbeiten lassen. Mir wurde klar, dass ich mir immer nur vorgepredigt hatte, warum ich nicht vorwärtskommen könne, statt mir vorzupredigen, warum ich es könnte. Ich hatte mich selbst schlechtgemacht. Ich fand heraus, dass diese Selbsteinschätzung in allem zutage trat, was ich tat, und dass niemand an mich glauben würde, wenn ich nicht selbst an mich glaubte. Ich fasste folgenden Entschluss: ›Ab sofort höre ich auf, mich zweitklassig zu fühlen. Ab sofort mache ich mich nicht mehr
schlecht.‹
Am Morgen war ich immer noch voll Zuversicht. Während des Vorstellungsgesprächs stellte ich mein neues Selbstvertrauen zum ersten Mal auf die Probe. Vor Antritt der Fahrt hatte ich gehofft, ich würde den Mut aufbringen, 9.000 oder vielleicht sogar 12.000 Dollar jährlich mehr zu verlangen, als ich zuvor verdiente. Doch jetzt, nachdem ich begriffen hatte, dass ich wirklich ein wertvoller Mensch war, erhöhte ich die Summe auf 42.000. Und ich bekam sie. Ich pries mich an, weil ich nach dieser langen Nacht der Selbstanalyse Werte in mir gefunden hatte, die mich viel lobenswerter machten.
Innerhalb von zwei Jahren nach Antritt der neuen Stelle schuf ich mir den Ruf, ein Mann zu sein, der Aufträge heranschaffen konnte. Dann hatten wir eine Rezession. Ich wurde noch wert voller, weil ich einer der besten Auftragsbeschaffer in der Branche war. Meine Firma wurde umorganisiert, und ich bekam ein schönes Paket Aktien sowie eine beträchtliche Gehalts erhöhung.«
Wer an sich selbst glaubt, dem werden gute, positive Dinge widerfahren.
 
Auszug aus dem Buch „The Magic of Thinking Big“ by David Schwartz, PhD
Deutsch: Denken Sie Groß von David Schwartz

Das Einzige was ich von den Leuten am Ende gerne höre ist, dass ich ihnen geholfen habe die Person zu werden, die sie schon immer sein wollten. – Brian Matys

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